Kunst in der Kreislaufwirtschaft – Ganz einfach per Sharing
- #MoveTheDate Switzerland
- 24. März
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 7 Tagen
Die beteiligten Kunstschaffenden (Malerei, Fotografie, Zeichnung, Objekte) bleiben im Besitz der von ihnen geschaffenen Werke und bieten diese in einem Sharing-System den Interessierten zur Nutzung durch Ausleihe an. Artrent bietet dazu die Plattform und Infrastruktur. - Das Kaufen und der Privatbesitz von Kunstwerken treten in den Hintergrund, das Erleben und Geniessen in den Vordergrund.

Wer bist du?
Ich bin Hendrik Barth und selbst bildender Künstler. Vor allem aber bin ich damit beschäftigt, die Kunstwerke einer ganzen Reihe von Künstler:innen zum Ausleihen anzubieten. Angeregt durch den erweiterten Kunstbegriff von Josef Beuys und interessiert an transformierenden Prozessen innerhalb unserer Gesellschaft, kam ich schnell darauf, dass der konventionelle Umgang mit bildender Kunst im Kunstmarkt durch Wege erweitert werden kann und muss, die das Erleben in den Mittelpunkt stellen, also den Menschen und die Kunst selbst und nicht den Kauf und Besitz.
Was bewegst du?
Mir geht es darum, Kreislaufwirtschaft auch im Kunstbetrieb möglich zu machen. Ich möchte Menschen ermutigen, von den traditionellen Mustern des Kunsterlebens wegzukommen hin zu einem Konzept, das wirklich uns Menschen und auch dem eigentlichen Wesen der Kunst entspricht: Kunsterlebnisse schaffen, wirken wollen. Also: Nicht nur wenige Minuten vor einem Kunstwerk in einer Ausstellung zu haben oder (falls überhaupt denkbar) das Werk kaufen zu müssen, um es zuhause länger erleben zu können. Sondern: Ich bestimme die Zeit, die ich mit einem Kunstwerk verbringen möchte und leihe es mir so lange aus. – Darüber spreche ich immer wieder mit den Besucher:innen in den Ausstellungen, die ich kuratiere.
Wann und wie ist die Idee entstanden?
Schon vor Jahrzehnten habe ich in Berlin und Holland solche Angebote entdeckt und fand: Das hat Zukunft! Ich begann, meine eigenen Bilder im Bekanntenkreis auszuleihen, wodurch Menschen, für die Kauf gar nicht in Frage kam, meine Bilder zuhause erleben konnten. Später kam dann eine Vereinsgründung mit gleichgesinnten Kunstschaffenden und schliesslich Artrent als Plattform mit inzwischen mehr als zwei Dutzend Kunstschaffenden, meist aus der Region Zürich.
Was freut dich am meisten?
Ich merke, es so weit: Die Zeit und die Menschen sind inzwischen bereit für Sharingkonzepte, die das Nutzen bzw. das Erleben über das Kaufen und Besitzen stellen. Die Vorzüge des Ausleihens werden entdeckt, erkannt und genutzt. Positive Feedbacks gibt es bei jeder Ausleihe und das freut und motiviert mich. Überhaupt ist Kreislaufwirtschaft ein Konzept geworden, das in der Industrie angekommen ist und an dem gearbeitet wird. Eine weitreichende Transformation beginnt und es ist schön, ein Teil davon zu sein.
Wie sieht dein Alltag aus?
Täglich verbringe ich einige Stunden am Laptop zum Aufbau und der Pflege von Kontakten, zur Betreuung der Website, für administrative Aufgaben. Die direkten Kontakte mit den Künstlerinnen und Künstlern auf der einen und den Kunstinteressierten auf der anderen Seite gibt es zum Glück aber auch fast täglich. Daneben besuche ich viele Ausstellungen und verbringe meine Freizeit oft in der Natur, beim Wandern und im Garten – überall Kreisläufe.
Was würdest du als deine Superpower beschreiben?
Ich bin ausdauernd und selbst begeistert vom Artsharing-Konzept. Darum versuche ich möglichst viel von dem umzusetzen, was mir täglich an Ideen kommt, was noch weiter vorwärtszubringen und umzusetzen ist. Es lässt mir einfach keine Ruhe, wenn Angedachtes nur in der Schublade liegt. Es muss versucht werden.
Bist du schon einmal gescheitert?
Das gehört dazu. Manchmal habe ich eine Idee, ein Projekt und denke: Klar, das kommt an, das wird umgesetzt. Wenn dann andere Meinungen auftauchen und die Zeit zum in Ruhe diskutieren und Argumente austauschen fehlt, kommt manchmal auch etwas nicht zustande. So war es bei einer künstlerischen Baumpflanzaktion, die ich für unseren Innenhof angedacht hatte. Plötzlich gab es viele Meinungen dagegen und das Ganze scheiterte, weil es einen zu grossen Termindruck gab. Aber solche Erfahrungen bringen mich letztlich auch weiter.

Gab es einen A-ha Moment, den du mit uns teilen möchtest?
Schon vor Jahren hatte ich Bilder einer Künstlerin in einer Ausstellung fotografiert und dachte, dass ich diese auch gern bei Artrent anbieten würde. Dann im letzten Jahr sprach ich sie an, sie fand das Konzept super, im Nu waren ihre Werke auf der Website und auch bei der nächsten Ausstellung von Artrent im Letzibad zu sehen. Eine Besucherin sieht ein Bild, leiht es spontan aus und hat mir gerade vor Kurzem mitgeteilt, wie toll sie es noch immer in ihrem Wohnzimmer findet. Diese Spontanität haben viele leider nicht. Ich kann es nur empfehlen. – Auch die Künstlerin hat Freude, ich sowieso und es zeigt sich, dass sich der Einsatz lohnt.

Kommentare